Begegnung mit einem Dichter

Samstag, 27. November 2010

Als ich ein Schüler war, verbrachte ich meine Sommerferien regelmäßig mit meinen Eltern und meinen beiden Schwestern am Lago Maggiore (Foto rechts: Sommer 1972). In einem Sommer hatte ich zwei Kinderbücher von Wolfdietrich Schnurre dabei, die ich mir zu meinem achten Geburtstag gewünscht hatte: "Die Zwengel" und "Der Meerschweinchendieb". Von Freunden erfuhren wir, dass der Autor dieser Bücher selbst ein Ferienhäuschen am Lago Maggiore habe, gar nicht weit von unserem Strand, gleich dort oben auf dem Monte Sole. Meine Mutter ermutigte mich, hinaufzugehen und mir die Bücher signieren zu lassen.

Als ich die steile Straße zum Haus von Wolfdietrich Schnurre erklomm, pochte mein Herz vor Aufregung und Angst: Was, wenn ich nun ungelegen kam? Wenn er gar keine Kinder mochte? Wenn er einen großen bissigen Hund hatte? Auf halber Strecke dachte ich daran, umzukehren, aber was hätten meine Eltern dann von mir gedacht? Also nahm ich all meinen Mut zusammen und klingelte an der Tür des Schriftstellers. Ein großer freundlicher Mann öffnete, sah zu mir herab und rief überrascht: „Na, wer bist du denn?“ Ich brachte kein Wort heraus und hielt ihm nur die beiden Bücher hin. Er bat mich hinein, bot mir Saft und Kekse an, stellte mich seiner Frau Marina vor und schrieb mir wundervolle Widmungen in beide Bücher: „Damit Bastian in einem Jahr wiederkommt“. Das habe ich dann auch gemacht. Und beim zweiten Mal  hatte ich auch keine Angst mehr. Im Gegenteil, ich konnte es kaum erwarten, Wolfdietrich Schnurre davon zu erzählen, dass ich inzwischen selbst angefangen hatte, Geschichten zu schreiben. Er fragte, ob er sie sehen dürfe, und ich gab sie ihm. Er nahm sie so behutsam in die Hand, als wären sie ein Schatz. Dann verriet er mir, dass er es sehr bedauere, seine eigenen frühen Versuche irgendwann allesamt verbrannt zu haben. Ich gelobte ihm, das mit den meinen nicht zu tun. Und so habe ich bis heute alles aufgehoben - einschließlich meines ersten Diktats.

Jahre später habe ich Wolfdietrich Schnurre noch einmal wiedergesehen: Bei einer Lesung in Plön. Ich war inzwischen ein junger Mann von fast 19 Jahren, der seinen Wehrdienst ableistete. Und Schnurre war mit seinen Romanen "Der Schattenfotograf" (1978) und "Ein Unglücksfall" (1981) in die erste Garde der deutschen Literatur aufgerückt. Ich zeigte ihm meine beiden signierten Kinderbücher und sagte: "Guten Tag, Herr Schnurre, erinnern Sie sich noch an mich?" Er nickte und strahlte: "Der Bastian! Aber natürlich!"

Wenn er wüsste, dass später aus mir auch ein Schriftsteller geworden ist, würde er sich bestimmt sehr freuen. Leider hat er das nicht mehr erlebt. Er starb 1989 im Alter von 68 Jahren.

An unsere Begegnungen denke ich jedesmal zurück, wenn ich beim Signieren einen kleinen Jungen vor mir stehen sehe, der mich aus ängstlich-aufgeregten Kulleraugen anblickt und mir wortlos eines meiner Bücher entgegenstreckt. Dann geht mir das Herz auf wie ein rot lackierter Fensterladen an einem sonnigen Morgen am Lago Maggiore.

 

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Im Bildarchiv des "Spiegel"-Verlags

Mittwoch, 03. November 2010

Im Bildarchiv des

Von 1995 bis 1998 arbeitete ich als sogenannter Dokumentationsjournalist im Foto-Archiv des "Spiegel"-Verlags. Von dieser Tätigkeit profitierten meine Allgemeinbildung und mein Ordnungssinn. Noch heute denke ich gern an die Jahre im Archiv zurück, vor allem an die netten Kolleginnen und Kollegen, zu denen ich teilweise noch heute Kontakt habe.

An meinem Arbeitsplatz im "Spiegel"-Archiv im August 1996


Beim Schreiben von Abenteuergeschichten

Dienstag, 31. August 2010

Beim Schreiben von Abenteuergeschichten

Eines schönen Sommernachmittags saßen meine Schwester Anja und ich auf der Terrasse unseres Elternhauses und tippten auf unseren Schreibmaschinen. Während ich eine Abenteuergeschichte mit sprechenden Tieren erdachte, schrieb meine Schwester an einer knallharten Detektivgeschichte. Sie ist später übrigens Richterin geworden.

 

Juni 1978


Eine altfranzösische Ode für meinen Professor

Dienstag, 30. August 1994

Eine altfranzösische Ode für meinen Professor

Zur Verabschiedung meines Romanistik-Professors Dieter Beyerle, bei dem ich mehrere Semester Französische Literatur und Altfranzösisch studiert hatte, trugen meine Kommilitonin Brigitte und ich ein in altfranzösischer Sprache verfasstes Gedicht vor: Eine Laudatio auf Professor Beyerle – im Stile von Chrétien de Troyes. Unser lieber Professor war sehr gerührt.

Das Gedicht gibt es hier zu lesen: Für alle Freunde altfranzösischer Lyrik!


Bastian als „Prinz Philipp“

Freitag, 22. Mai 1981

Bastian als „Prinz Philipp“

Bei einer Schultheater-Aufführung im Jahre 1981 - mit Kristiane Krüger in der Rolle der Prinzessin.


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